Die Cranny Falls und der Hafen Carnlough

Wanderung bei Glencoy in die Freie Stadt Braavos

Carnlough ist ein hübscher Hafenort mit typisch viktorianischer Provinzarchitektur. Der geschützte und kompakte Hafen bildet den Mittelpunkt sowie auch den Ursprung des Dorfes. Er wurde einst von den Betreibern der Steinbrüche nahe der Cranny Falls erbaut. Für die Game of Thrones-Fans ist Carnough als Teil der Freien Stadt Braavos bekannt, wo Arya Stark in das Haus von Schwarz und Weiß zur Lehre einzieht. Carnlough selbst ist an den Ausläufern des Glencoy gelegen, einem der neun Glens of Antrim. Während wir auf der einen Seite des Dorfes zum blauen Wasser des Nordkanals sehen, erstrecken sich zur anderen die grünen Weiden der Glens.

Eine kleine Wanderung zu den Cranny Falls

Bei unserer Ankunft in Carlough lässt sich kaum ein Mensch blicken. Trotzdem sind sämtliche Parkplätze am Straßenrand belegt. Aber wir sind ja gut vorbereitet und steuern einen Ausweichplatz etwas abseits der Harbour Road an. Dazu können wir einfach den Schildern zu den Cranny Falls folgen. So gelangen wir an einen Parkplatz, für den sich offensichtlich kein Mensch interessiert. Dieser bildet zugleich den Ausgangspunkt einer leichten Wanderung zu den Cranny Falls.

Der Gortin-Steinbruch

Die Wasserfälle sind vor Ort angeschrieben. Wir folgen dem befestigten Weg. Schnurgerade führt dieser in das Hinterland von Carnlough. Der als »Hurry« bekannte Pfad verläuft auf der Trasse der alten Mineralien-Eisenbahn. Die kleine Bahn hat einst den Gortin-Steinbruch mit dem Hafen von Carnlough verbunden. Mit zwei Gleisen funktionierte die Vorrichtung wie eine Standseilbahn. Bei einer Drehscheibe am Steinbruch wurden sechs aneinander hängende Waggons mit dem Aushub aus dem Kalksteinfelsen befüllt. Voll beladen rollten sie dann die Schräge hinunter nach Carnlough. Gleichzeitig zogen sie die leeren Waggons nach oben.

Heute zeugt nur noch die unnatürlich wirkende Gerade von dem einstigen Schienensystem. Das obere Ende befindet sich am Fuß einer hohen Kalksteinwand. Hier rackerten einst die Arbeiter. Der Gortin-Steinbruch galt damals als eine gefährliche Arbeitsstätte. Mit Hammer und Meißel schlugen die Männer Löcher für den Sprengstoff in den Kalkfelsen. Wenn die Pfeife ertönte, war es Zeit, sich schleunigst in eine der Steinhütten vor der Steilwand zu flüchten. Sekunden später erschütterte die Explosion den Boden. Felsbrocken und Kalksteinsplitter flogen durch die Gegend. Nicht immer fand jeder Arbeiter rechtzeitig Schutz. Schwere Unfälle, teils mit Todesfolge, standen somit nur allzu häufig auf der Tagesordnung.

Biologische Vielfalt auf dem Kalksteinrasen

Heute sind die Steinhütten längst zu Ruinen verkommen. Zusehends verschwinden die Mauerreste unter dem gelb blühenden Stechginster. In der Kalkwand sind noch Eingänge der Stollen auszumachen. Ansonsten gehört der Steinbruch der Vergangenheit an. Seitdem erholt sich das Gebiet wieder. Der Kalksteinrasen ist inzwischen reich an biologischer Vielfalt. Gimpel und Hänflinge finden hier geeignete Brutplätze. Fledermäuse hängen in den Stollen. Heute ist das Areal des Gortin-Steinbruch ein bedeutender Lebensraum mit einer besonderen Flora und Fauna.

Beim Steinbruch weist ein Schild zu einem »Viewpoint«. Der Abstecher auf die ehemalige Abraumhalde lohnt sich. Sie bietet einen wunderschönen Blick über die Weiden bis nach Carnlough und auf das Meer. Neugierig beäugt uns eine Handvoll Schafe. Lämmer tollen über die Hügel. Zur Offenhaltung der Landschaft darf hier eine kleine Anzahl an Schafen das ganze Jahr über grasen.

»Crannach« - Viele Bäume in der Kalksteinschlucht

Wir folgen dem Pfad links an der Kalksteinwand vorbei. So erreichen wir ein Wegkreuz. Geradeaus windet sich nun ein schön angelegter Pfad durch die Botanik entlang dem Carnlough River. Der Name Cranny Falls leitet sich vom gälischen »Crannach« ab. Das bedeutet »viele Bäume«. Tatsächlich umhüllt ein Laubwald die beeindruckende Kalksteinschlucht. Auch die Schlucht ist vom ehemaligen Kalksteinabbau geprägt. In diesem Bereich wurden die Steinbruchhaufen im Laufe der Zeit mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Der ansonsten karge Untergrund bildet perfekte Bedingungen für kalkreiche Grünlandlebensräume. Bei unserer Begehung im Frühling blüht das blaue Hasenglöckchen zwischen den weißen Blüten des duftenden Bärlauchs.

Die Cranny Falls mit eigenem Mikroklima

Je näher wir dem Wasserfall kommen, umso dunkler und feuchter wird die Umgebung. Die Cranny Falls besitzen ihr ganz eigenes Mikroklima. Hier überziehen Moose, Farne, Lebermoose und Flechten die Wände der Schlucht. Ein Steg am Ende des Pfades bietet die beste Sicht auf den Wasserfall. Der Carnlough River führt ausreichend Wasser, dass der Wasserfall wirklich ein beeindruckendes Bild abgibt.

Anschließend nehmen wir denselben Weg über die ehemalige Eisenbahnstrecke wieder zurück ins Dorf Carnlough. Wieder am Parkplatz folgen wir der geraden Strecke weiter bergab bis an den Hafen. Zwei Eisenbahnbrücken überspannen noch heute die parallel zueinander liegenden Dorfstraßen, dienen heute aber als Fußweg. Auffallend ist ein gemauerter Kalkofen, wie auch der viktorianische Uhrturm an der Harbour Road.

Beim Hafen von Carnlough

Treppen führen nun hinab in den recht urtümlichen Hafen von Carnlough. Anstelle der Frachtschiffe für den Steinbruch dümpeln heute Sport- und Fischerboote im Wasser. Ein unpassendes gelbes Ausflugsboot versperrt bei unserer Ankunft ausgerechnet die Treppe, für die viele Game of Thrones-Fans hierherkommen. Denn diese ist in einer Szene der Staffel sechs, in der Folge sieben »Der Gebrochene« zu sehen.

Nachdem Arya Stark die Ermordung der Schauspielerin Lady Crane verweigert hat, versucht sie Braavos verlassen. Beim Hafen sieht sie sich nach einer Mitfahrgelegenheit nach Westeros um. Doch Waif, die Heimatlose, vereitelt ihre Flucht. In Gestalt einer alten Frau spricht sie Arya an, eh sie eine plötzliche Messerattacke startet. Verletzt entkommt Arya durch einen Sprung von einer Brücke in den Fluss. Sie taucht kurz darauf keuchend wieder auf und zieht sich die Steinstufen empor zu den Straßen von Braavos. Die Treppenszene entstand hier in Carnlough und ist sogar eine der vielen Game of Thrones-Tafeln wert.

Zu der Szene passt das düstere Wetter, dass während unseres Aufenthalts herrscht. Der Himmel ist grau verhangen. Die ehemals weißen Hafenmauern aus dem Kalkfelsen sind mit Algen, Moosen und Flechten überzogen. Doch mit den bunten Häusern entlang der Harbour Road wirkt der Hafen von Carnlough wie ein kleines, wenn auch verschlafenes Idyll. Gemeinsam mit den Cranny Falls bildet der Hafenort ein wunderschönes Ziel, für das sich auf jeden Fall ein Stopp lohnt.

Anfahrt und Anforderungen zur Wanderung

In Carnlough folgen wir den Schildern zu den Cranny Falls. Ein großer Parkplatz bildet den Ausgangspunkt der Wanderung. Von dort ist es auch nicht weit bis zum Hafen.

AusgangspunktParkplatz Cranny Falls
KoordinatenN 54.9936, W -5.9931
Gehzeit1,5 Stunden
Distanzca. 4 km (vom Parkplatz bis zum Wasserfall und zurück)
Anstiegeca. 100 HM
GradT1
EinkehrEinkehrmöglichkeiten gibt es in Carnlough
gps-DatenWanderung Carnlough gpx
kml-DatenWanderung Carnlough kml

Karte zum Spaziergang an den Wasserfall

Höhenprofil

Steigungsprofil

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!
Neuen Kommentar schreiben