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Silent Valley Mountain Park

und ein Staubecken, das seinesgleichen sucht

Silent Valley Reservoirs im gleichnamigen Mountain Park in Nordirland
Denkmal für die Arbeiter beim Bau des Silent Valley Reservoirs

Irischer Regen verschwindet gerne so schnell, wie er einen zuvor erwischt hat. Also halten wir an unserem Plan fest, den Silent Valley Mountain Park zu besuchen. Ob wir bis hoch auf den Doan-Gipfel wandern sollen, können wir auch vor Ort noch entscheiden. Zumindest lässt sich die Sonne bei unserer Ankunft immer wieder zwischen den Wolken blicken. Wir sind optimistisch und passieren gut gelaunt das rote Eingangstor zum Park.

Gelangweilt kauern die Parkwächter in ihrem Kabuff. Das wechselhafte Wetter scheint nur wenige Besucher anzulocken. Doch wir werden freundlich empfangen und bekommen einen Plan mit verschiedenen Wanderwegen in die Hand gedrückt. Sowie wir das geringe Eintrittsgeld entrichtet haben, hebt sich die Schranke und gibt den Weg frei.

Haus der Parkverwaltung im Silent Valley Mountain Park in Nordirland
Teich im Silent Valley Mountain Park in Nordirland

Beim fast komplett leeren Parkplatz empfangen uns mehrere Enten. Schnatternd betteln sie um Brotkrumen, Chips und Guinness. Ja, auf der Grünen Insel ticken auch die Enten ein wenig anders. An das Wetter angepasst, entscheiden wir uns für den Heritage Trail. Er führt uns durch eine frisch gewaschene, aber adrett gepflegte Parkanlage zur Staumauer des Silent Valley Reservoirs.

Hier stehen wir nun vor der Hauptwasserversorgung Belfasts. Und es ist erstaunlich, wie wunderschön ein Staubecken gestaltet werden kann. Die vollständig mit Naturstein verkleidete Anlage gleicht eher einem Kunstwerk mitten im Park als einem schnöden Ingenieursbauwerk.

Kiefernzweig in den Wäldern des Silent Valley Mountain Park in Nordirland
Anne und Lars im Silent Valley Mountain Park in Nordirland
Wandern durch den Wald - Silent Valley Mountain Park in Nordirland

Notwendig wurde das Reservoir durch das rasante Wachstum Belfasts und dem immer größeren Bedarf an Trinkwasser. Eine hohe Niederschlagsmenge und die Sauberkeit des Wassers lockte die Ingenieure in die Mourne Berge. Mit einem 3600 Hektar großen Einzugsgebiet war es möglich, die Wasserversorgung Belfasts langfristig zu sichern. Zwischen 1923 und 1933 schufteten über Tausend Männer im Tal des Kilkeel River, bis der Stausee endlich fertiggestellt war.

Die Pläne zu einem weiteren Damm im Tal des Annalong Flusses verwarfen die Ingenieure indes. Zu groß waren die Schwierigkeiten beim Bau des Silent Valley Reservoirs. Stattdessen wurde weiter oben im Kilkeel-Tal der Ben Crom Dam realisiert. Um das Wasser des Annalong Flusses trotzdem nutzen zu können, wurde ein 3,6 km langer Tunnel unter dem Slieve Binnian hindurch gebohrt. Das Flusswasser wird somit einfach in das Silent Valley-Becken umgeleitet.

Blick über das Silent Valley Reservoir in Nordirland
Anne nach dem Regen auf der Staumauer des Silent Valley Reservoirs

Aber da war ja noch die Sache mit der hohen Niederschlagsmenge. Was sollen wir sagen? Kaum haben wir unser Stativ auf der Staumauer aufgestellt, beginnt es zu tröpfeln. Flugs packen wir alles wieder ein und stehen dann auch schon im strömenden Regen. Zum Glück hat irgendjemand daran gedacht, bei der Staumauer eine Schutzhütte hinzustellen. Doof nur, dass sich diese am anderen Ende befindet.

Wir müssen rennen und haben doch keine Chance. Triefend nass drängen wir uns zu einer jugendlichen Wandergruppe. Sie versuchen, hier in den Bergen von einer Hütte zur anderen zu laufen, um den ständigen Regenschauern möglichst zu entgehen. Dann ist der Spuk vorbei, reißt die Wolkendecke auf und erstrahlt die Landschaft in einem umso intensiveren Grün. Herrlich!

Blick über das Silent Valley Reservoir in Nordirland
Wasserentnahmeturm und Notüberlauf des Silent Valley Reservoirs in Nordirland

Patschnass, wie wir nun sind, trotten wir zurück zum Notüberlauf. Für unsere Fotos haben wir jetzt reichlich Zeit. Leider – oder vielleicht Gott sei Dank – hat der Regen den See nicht zum Überlaufen gebracht. Es wäre sicher ein eindrucksvolles Bild geworden.

Einzig auf den Spaziergang zum Ben Crom Becken sowie auch die Wanderung auf den Doan-Gipfel verzichten wir lieber. Mit genügend schönen Eindrücken im Kopf und in der Kamera kehren wir schließlich durch den Wald zurück zum Parkplatz. Es ist Zeit, unsere Unterkunft für die Nacht zu suchen – und die nassen Klamotten loszuwerden.

Eine saubere und grüne Landschaft nach dem Platschregen beim Silent Valley Mountain Park.
Noch ein Teich - diesmal im Wald des Silent Valley Mountain Park in Nordirland
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