Castle Ward und die Burg Winterfell

Die Burg der Familie Stark in der Serie Game of Thrones

Mittags erreichen wir Castle Ward Estate, den herrschaftlichen Landsitz mit der Burg Winterfell aus der Game of Thrones-Serie. Das Anwesen ist mit seinen 300 Hektar riesig. Sowie man das Haupttor passiert hat, ist es noch fast ein Kilometer bis zum Info- und Kassenhäuschen. Bei der Weiterfahrt öffnet sich der Blick auf das Schloss von Anne und Bernard Ward. Eine Besonderheit des Gebäudes sind die unterschiedlichen Baustile. Das Paar war sich uneins, wie ihr Haus aussehen sollte. Als Ergebnis ist die Vorderfront im klassizistischen Design erbaut. Die Rückseite zieren indes Spitzbogenfenster und kleine Türmchen, welche sich an gotischen Vorlagen orientieren. Unglücklicherweise waren sich die Wards auch in anderen Dingen uneinig. Ihre Ehe scheiterte.

Mittelalterkulisse am Strangford Lough

Für uns spielt das Herrenhaus erst einmal eine Nebenrolle. Wegen des längeren Aufenthalts im Tollymore Park und bei Inch Abbey lassen wir das Schloss bei der ersten Rundfahrt links liegen. Für die Game of Thrones-Serie war der Bau aus dem Jahr 1760 schlicht zu modern. Besser als Mittelalterkulisse eigneten sich das Old Castle Ward und das Audley's Castle. So lassen wir auch den Main Car Park außer Acht und fahren weiter bis zum Wanderparkplatz am Ufer des Strangford Lough. Von »Winterfell«, dem Haus der Familie Stark, trennen uns dort nur noch wenige Schritte.

Der letzte Viscount des Anwesens Ward war Lord Maxwell. Er starb 1950 und hinterließ den Landsitz seiner Familie. Solch ein Erbe mag für viele wie einen Segen klingen. Allerdings wurde die Erbschaftssteuer dem Grundbesitz angepasst, was bedeutete: sie war erdrückend. Die Familie konnte soviel Geld nicht aufbringen Letztendlich übereignete sie das Schloss mitsamt dem Land dem Staat. So gelangte das Gut später an den National Trust, der wiederum Teile davon an die Game of Thrones-Winterfell Tours vermietet.

Old Castle Ward - die Kulisse für Burg Winterfell

Old Castle Ward selbst entstand um 1610 als Turmburg und war das erste Haus der Wards. Nach dem Umzug der Familie in das Herrenhaus verblieb hier der wirtschaftliche Teil des Anwesens mit Stallungen, Schlachthaus, Scheunen, Mühle und Sägewerk. Somit gibt es ausreichend alte steinerne Gebäude, welche sich gut als Kulisse für Winterfell eignen. Hier klettert Bran die Mauern empor, üben die Kinder der Starks das Bogenschießen. Tyrion ohrfeigt Joffrey, Arias »Nadel« wird geschmiedet und Jon Schnee trifft auf Tyrion. Auch für die Szene, bei der Net Stark Sansas Schattenwolf »Lady« tötet, wurde das Gemäuer genutzt. Später findet Net seine letzte Ruhestätte in der Krypta von Winterfell. Daneben befindet sich übrigens gleich das Winterfell-Bordell. Welch Planung!

Auf dem Shore Trail nach Westeros, in die Sieben Königslande

Vor Ort ist es heute möglich, sich ein Fahrrad zu mieten, um das gesamte Areal von Castle Ward zu erkunden. Die wichtigsten Plätze sind aber auch ohne gut zu erreichen. Wir holen uns beim Büro der Winterfell Tours eine Karte mit den eingetragenen Drehorten der Serie. Nachdem wir also die erstaunlich kleine Burg Winterfell besichtigt haben, machen wir uns zu Fuß auf nach »Westeros«, in die »Sieben Königslande«. Über den Shore Trail geht es vorbei am Boat House am Ufer des Strangford Lough zu Robbs Camp. Hier befand sich der Käfig, in dem Jamie monatelang gefangen saß. Leider sind sämtliche Spuren der Dreharbeiten beseitigt, was bedeutet: wir stehen vor einer grünen Wiese, wie es sie überall in Irland gibt.

Meuchelmörder und eine verhängnisvolle Verbindung

Auf dem Hügel sehen wir Audley's Castle, welches als Walder Freys Burg diente. Doch wir bleiben auf dem Weg und erreichen als Nächstes den Wald von Audleystown. Auf dem Waldweg entlang der Wiese spazierte Robb mit der Heilerin Talisa, mit der er eine verhängnisvolle Verbindung einging. Ein paar Meter weiter wird es weniger romantisch. Hier stößt Brienne von Tarth auf die gehängten Frauen im Wald. In einer späteren Staffel erhängt der Bluthund die Meuchelmörder seiner Religionstruppe an demselben markanten Baum.

Nur einen Steinwurf weiter spaziert Tyrion pfeifend mit Bronn durch den Wald. Auf der anderen Seite des Waldes gelangen wir schließlich zum Feld der Lennister in der Episode Baelor. Mit der nächsten Wegnummer in der Karte kommen wir wieder in den Wald zu einem Zwillingsbaum, den wir jedoch nicht zuordnen können. Doch wir sehen von hier wieder auf Walder Freys Burg, auf die wir nun Kurs nehmen. Unterwegs treffen wir die Game of Thrones-Tour-Truppe aus dem Tollymore Forest Park. Der Guide erkennt uns wieder und grüßt fröhlich. Doch uns macht die Gruppe zu viel Trubel, sodass wir weiter hoch zur Burg spazieren.

Audley's Castle als mittelalterliche Normannenburg

Die Audley's waren vor den Ward's die führende Familie in der Region und gehörten zum alten anglo-normannischen Adel. 1450 wurde die mittelalterliche Normannenburg erbaut. Die Blütezeit der Adelsfamilie endete, als James Audley das Anwesen 1648 an seine Nachbarn verkaufte. Von da an verstrichen keine 80 Jahre, bis die Burg zu einer Ruine verfallen war. Einzig das turmähnliche Torhaus hat die Jahrhunderte überdauert. Die Mauer, welche das Areal einst umschloss, ist zwar weitgehend abgetragen, lässt sich im Gelände aber noch erkennen. Das Plateau selbst eröffnet uns eine herrliche Aussicht auf den Strangford Lough und nach Portaferry am gegenüberliegenden Ufer. Auf der Strangford Halbinsel erkennen wir den Baum, welchen uns der Tour-Guide bei Inch Abbey gezeigt hatte. Hier wurden mit Tricks Brücken über den Fluss gezogen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Odin und Thor - Schattenwölfe bei Audley's Castle

Während wir um die Burg schlendern, lugt ein wolfsähnlicher Hund um die Mauerecke. Ihm folgt ein zweites Tier und kurz darauf erscheint ihr langhaariges Herrchen. »Schau mal, da bringen Touristen ihre eigenen Schattenwölfe mit«, sage ich zu Lars, der auf einmal fröhlich grinst. »Nein, das sind Schauspieler«, schlaumeiert er. Doch er weiß es wirklich besser. Lars hat die Reise vorbereitet und weiß somit auch, dass zwei der Schattenwölfe aus dem Film in Castle Ward wohnen. Es sind Sommer und Grauwind, also Brans und Robbs Hunde. Die Filmhunde heißen eigentlich Odin und Thor und gehören der Familie Mulhall. William, der in der Serie einen dothrakischen Sklaventreiber gespielt hat und heute bei der Reihe Wikings mitmacht, führt die Hunde mit einem Filmkollegen auf dem Gelände spazieren.

Schwertkampf, Direwolves und Schauspieler

Wir unterhalten uns eine Weile mit den beiden. Hier kennt jeder jeden. Der Tour-Guide von vorhin ist Williams Bruder. Den Mann der Nachtwache, den wir bei Inch Abbey getroffen hatten, kennen die beiden natürlich auch. Die beiden Hunde, Direwolves, sind neugierig und wälzen sich verspielt auf der Wiese. Sie kommen freudig zu uns gerannt und lassen sich knuddeln. Während wir uns mit den vierbeinigen Serienstars amüsieren, versucht sich ein Paar nur wenige Schritte entfernt im Schwertkampf. Ihr Smartphone ist so aufgestellt, dass sie mit Walder Frey's Burg im Hintergrund die perfekte Kulisse für ihr eigenes Game of Thrones haben. Sie sind in ihrem Tun und Sein derart vertieft, dass sie um sich herum alles vergessen. Ob sie später erkennen, dass die Hunde in ihren Film hineingerannt sind und sie dies schlichtweg verpasst haben? Uns kann es egal sein. Wir sind glücklich, denn wir haben Schattenwölfe geknuddelt.

Die zweite Game of Thrones-Tour

Zwei Jahre nach unserer ersten Game of Thrones-Tour besuchen wir erneut die Burg Winterfell. Die letzten Folgen der Mittelalter-Saga sind inzwischen abgedreht und auf Video zu sehen. Auch diverse Bezahlfernsehsender haben sie längst ausgestrahlt. Doch ungebrochen ist das Interesse an den Drehorten. So kommt uns bereits im Burghof die erste Fangruppe entgegen. Ihre durchsichtigen Regencapes über dem dunklen Umhang stören das Mittelalter-Idyll. Sansa Stark türmt mit Theon Graufreud mitten im Winter durch einen reißenden Fluss. Da sollten echte Fans so ein bisschen irischen Regen doch vertragen? Vielleicht aber haben sie recht. Denn auch wir verzichten auf einen längeren Spaziergang. Stattdessen widmen wir unseren Besuch den Innenräumen von Winterfell und Castle Ward.

Fledermäuse überwintern in der Mühle

Die Burg Winterfell hat in ihrem Innern relativ wenig zu bieten. So führen im Bergfried lediglich steinerne Treppen hinauf in einen leeren Raum. Damit hat es sich bereits. Die restlichen Räumlichkeiten werden vom Veranstalter der Winterfell-Tours in Beschlag genommen. Offene Türen finden wir hingegen bei der Mühle. Diese ist zeitweise geschlossen, weil sie Fledermäuse als Quartier nutzen. Artenschutz hat nun mal Vorrang gegenüber Sightseeing. Neben diversen Ausstellungsstücken aus der Landwirtschaft gibt es in dem Gebäude eine noch betriebene Getreidemühle.

Besichtigung des Stableyard bei Castle Ward

In den Räumen der Bediensteten

Wir spazieren hinauf zum Tempel über dem See vom Anwesen Castle Wards. Bald brechen wir den Rundgang aber schon wieder ab. Es ist schlichtweg zu nass und ungemütlich. So kehren wir zurück zum Schloss und versuchen unser Glück mit einer Tour durch die Gemächer von Anne und Bernard Ward. Die Ernüchterung folgt sogleich beim Stableyard, den Stallungen des Anwesens. Hier kann man sich für die Führungen durch das Schloss anmelden. Zu unserem Pech wird dieses gerade renoviert. Normalerweise führt der Rundgang zur aufwendig gestalteten Baldachindecke in der gotischen Haushälfte der Lady Anne. Uns bleibt lediglich eine Tour durch die Räume der Bediensteten des Schlosses.

Die Stallungen, das Waschhaus und die Kammern der Bediensteten sind in einer künstlichen Senke neben dem Schloss platziert. Die Herrschaften wollten ihren Ausblick nicht durch funktionale Gebäude beeinträchtigen. Jedoch gibt es einen Tunnel. Durch diesen konnte das Personal trockenen Fußes ins Schloss gelangen. Eben diesen Tunnel nutzen auch wir, um in die Kellerräume des Schlosses zu kommen. Eine Schlossführerin, die selbst gut als einstige Haushälterin hätte durchgehen können, begleitet uns. Wie eine Märchenerzählerin spricht sie über die vergangenen Zeiten in Castle Ward.

Ein harter Alltag, bereits bei den Kindern

Die Mädchen hatten damals bereits im Alter von zehn Jahren begonnen, in solchen Häusern zu dienen. Anstatt einer Schulausbildung erhielten sie hier eine Erziehung und wurden nebenher ausgebildet. Mit dem fertigen Personal teilten sie sich die Arbeitszeiten. Diese begannen um fünf Uhr morgens und endeten um acht Uhr am Abend. Jungs erging es keineswegs besser. Sie landeten auf dem Feld, in den Schmieden oder bei den sonstigen typischen Männerberufen.

Im Kellergang entdecken wir zwei Reihen an Glocken. Jede von diesen hat einen anderen Klang, den die zuständige Person sofort erkannte. Dabei läuteten die unteren zum Abräumen von Unrat oder den Nachttopf. Die obere Reihe läutete zum Bringen von Feuerholz, Essen, Kaffee oder Tee. All dies unterstand der Obacht einer Haushälterin. Sie besaß die meisten Befugnisse, womit ihr auch das größte Gehalt zustand. Somit oblag ihr die Verantwortung sowohl über den Tresor als auch über die gesamten Einkäufe. Für den Fall, dass etwas zerbrach oder kaputt ging, musste sie dafür haften und aufkommen.

Kupferkessel stehen auf dem riesigen schwarzen Feuerherd in der Küche. Auf dem Tisch finden wir einen gebackenen Truthahn und verschiedenes Gemüse. Natürlich sind es alles Plastik-Attrappen. Einzig die Rosinenbrötchen sind echt. Aber die stammen noch von Ostern und das ist auch schon eine Weile her. An den Wänden entdecken wir einige Haken. Daran wurden früher Lebensmittel aufgehängt. Denn im Keller und in der Küche wimmelte es von Ratten und Mäusen. Nur was hoch oben in der Luft hing, war für die Viecher nicht erreichbar. Außerdem installierte man in den Türen Katzenöffnungen, sodass diese auf Jagd nach dem Ungeziefer gehen konnten.

Der gute Wein und die irische Butter

Der Machtbereich der Haushälterin endete bei den drei Weinkellern. Einzig der Butler hatte einen Schlüssel. Seine Aufgabe war es auch, den Wein zu kosten, bevor dieser zum Ausschank kam. Und es wurde viel Wein getrunken. Das Wasser war so ungenießbar, dass man lieber zur Karaffe gegorenen Traubensaftes griff. Auch hier klettern Ratten-Attrappen über die Weinregale. Ohne Wein-Verköstigung verlassen wir den Hauswirtschaftsbereich unterm Schloss und gehen durch den Tunnel zurück zum Stableyard. Dort gibt es einen speziellen Raum, in dem die Butter gestampft wurde. Die Butter zu stampfen gehörte zu den täglichen Aufgaben. Zu jeder Mahlzeit gab es Butter, ohne dass man diese lange lagern konnte. Meist wurde sie in einem kleinen Fass gereicht. Wenn Besuch anstand, verzierte man einzelne Stücke mit Stempeln.

Recycling in der Waschküche

Gefährlich war die Arbeit in der Waschküche. Im Gegensatz zu den sonst so kühlen Gemäuern war es dort zwar warm. Damit gingen aber auch etliche Gefahren einher. Auf den stets nassen Böden konnte man leicht ausrutschen. Der Dampf der kochenden Waschbrühe hinterließ eine Luft zum Schneiden. Und scheuernde Reinigungsmittel machten die Hände der Waschmädchen rau und wund. Nur einmal wöchentlich gab es Hühnerfett aus der Küche, um die Haut zu pflegen. Die nasse Wäsche war schwer und verursachte Rückenprobleme. Eine kleine Unachtsamkeit reichte, um sich die Finger in der Mangel einzuklemmen. Dazu kam es zu Verbrennungen an den Griffen der mit glühender Kohle gefüllter Glätteisen oder es gab Verbrühungen durch den Dampf. Für uns schwer vorstellbar ist die Nutzung ihrer damaligen Reinigungsmittel. So brachten die Zimmermädchen den herrschaftlichen Urin in den Nachttöpfen zur Waschküche. Dieser war damals ein wertvolles Reinigungs- und Bleichmittel. Nur damit bekamen die Waschmädchen die Wäsche so weiß. Ihr Beruf war kein leichter. Für alle erdenklichen Haushaltsunfälle besaß die Haushälterin in ihrem Zimmer im Keller des Hauses einen gut sortierten Medizinschrank.

Hier bei Castle Ward haben wir vielleicht eine etwas andere Schlossbesichtigung erlebt als üblich. Doch es ist interessant, auch die weniger herrschaftliche Seite kennenzulernen. Uns hat es gefallen. Beim anschließenden Weg zum Auto schlendern wir noch durch den viktorianischen versunkenen Garten. Auf den Beeten trotzt eine Schar Tulpen dem nassen Wetter. Dann verlassen wir Winterfell oder Castle Ward mit vielen neuen Eindrücken. Hier kann man wirklich öfters herkommen. Man findet immer wieder neue Überraschungen.

Anfahrt und Anforderungen des Rundgangs

Die Anfahrt erfolgt über die A25 von Newry in Richtung Strangford. Zwischen Downpatrick auf die Park Road zum National Trust Castle Ward abfahren. Wer direkt nach Winterfell will, lässt beim Eingang das Schloss Ward links liegen und folgt der Straße bis zum Wanderparkplatz Castle Ward Shore.

AusgangspunktWanderparkplatz von Castle Ward
KoordinatenN 54.3713, W 5.5773
Gehzeit2 Stunden
Distanzca. 4,8 km
Anstiegeca. 60 HM
GradT1
EinkehrCafé bei Winterfell Castle
GPS-DatenWanderung Castle Ward gpx
kml-DatenWanderung Castle Ward kml

Wanderkarte zum Shore Trail

Höhenprofil

Steigungsprofil

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