steil zum Atlantik abfallende Klippen prägen den Mizen Head im County Cork

Mizen Head Lighthouse

Irlands südwestlichster Punkt auf dem Wild Atlantic Way

Entlegen – mit diesem Wort lässt sich die Lage des Mizen Head am besten beschreiben. Tatsächlich dauert die Anreise mit dem Auto ab Bantry, der nächstgelegenen Stadt, eine Dreiviertelstunde. Wenn man ab Goleen der Route des Wild Atlantic Way folgt, kommen nochmals gut fünf obendrauf. Doch die Fahrt in den äußersten Südwesten Irlands lohnt sich. So erwarten Dich am Ende der Mizen-Halbinsel spektakuläre Aussichten über die Steilklippen zum tiefblauen Atlantik.

Ankunft beim Mizen Head Visitor Centre

Bei unserer Ankunft am Mizen Head können wir uns glücklich schätzen. Denn nach einer längeren Sperrung für Bauarbeiten ist das Mizen Head Visitor Centre – nach mehreren Verzögerungen – endlich wieder geöffnet. Noch tags zuvor versperrten Bauzäune den Zugang. Weil weder die Mizen Bridge noch die Signalstation vom Parkplatz aus zu sehen ist, hätte sich die Fahrt nicht gelohnt.

Im Innern des Besucherzentrums sind wir angenehm überrascht, wie liebevoll dieses eingerichtet ist. Neben einigen Andenken vom Mizen Head und dem Wild Atlantic Way fällt das 3D-Modell eines idealisierten Leuchtturms auf. Geschickt wurde dieser auf einem plastischen Felsen im Meer platziert, das nach hinten in ein Wandgemälde übergeht. Zugleich zeigt das nach vorne offene Modell den inneren Aufbau des Turms.

Ebenfalls ansprechend ist das Café im vorderen Teil des Besucherzentrums eingerichtet. Obwohl es in dieser Gegend praktisch keine Alternativen gibt, sind die Preise moderat. Nach der langen Fahrt finden wir dort einen schönen Ort, um bei Kaffee und Kuchen zur Ruhe zu kommen. Mittags bekommt bietet die Küche neben hausgemachter Suppe und Sandwiches auch Gerichte mit heimischen Miesmuscheln, Fish & Chips an.

Fastnet Lighthouse Centenary Stone

Anschließend folgen wir dem bequem zu gehenden Fußweg vom Besucherzentrum zur Mizen Bridge. Auf dem Weg dorthin passieren wir den Fastnet Lighthouse Centenary Stone. Vor Ort erfahren wir, dass ein Unglück zum Bau eines ersten Leuchtturms geführt hatte: 1847 havarierte das US-Schiff Steve Whitney vor Cape Clear und riss 100 Menschenseelen mit in den Tod. Ein Jahr nach diesem schweren Schiffsunglück beschloss man, auf dem Fastnet – auch Fastness Rock – einen Leuchtturm zu errichten.

1854 nahm ein erster Fastnet-Leuchtturm den Betrieb auf. Allerdings erwies sich die gusseiserner Konstruktion als zu schwach, um der Meeresbrandung auf dem stark exponierten Felsen zu trotzen. Nachdem ein baugleicher Leuchtturm bei Calf Rock ins Meer stürzte, beschloss man den Bau eines neuen Turms auf den Festnet. Binnen vier Jahren entstand dieser aus 2074 verzahnbaren Blöcken aus Granitgestein. Nach der Fertigstellung im Jahr 1903 installierte man ein Öllicht mit rund 45 km Reichweite.

Der Fastnet selbst ist eine bedeutende Landmarke 9 Meilen oder gut 14 km vor der Küste Irlands. Für viele Auswanderer war er das letzte Stück Land, was sie von Irland sahen. Der Felsen ist daher auch als »Tear Drop of Ireland« bekannt. Zum 100-jährigen Jubiläum des Fastnet-Leuchtturms entwarf man ein maßstabsgetreues Modell eines der oberen Stockwerke. Es zeigt, wie die Granitsteine ineinandergreifen, um der Kraft des Atlantiks standzuhalten.

Mizen Bridge nach Cloghane Island

Wenige Schritte nach dem Gedenkstein haben wir die Wahl: Geradeaus ginge es zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Mizen Bridge sowie über zwei Kehren hinunter zur Brücke. Wie indes kürzen links über die Treppe zum unteren Weg ab. Gleich danach öffnet sich die Sicht auf die Brücke. Die erste Mizen Bridge war rund 52 Meter lang und überspannte ab 1910 die Lücke zwischen dem Festland und Cloghan Island. Knapp 100 Jahre ermöglichte die Konstruktion einen sicheren Übergang.

Bei einer Routineuntersuchung im Februar 2005 stellte man jedoch fest, dass der Bewehrungsstahl an zumindest einer Stelle der Brücke korrodiert war. Damit galt die Mizen Bridge als einsturzgefährdet und musste quasi über Nacht geschlossen werden. Als Übergangslösung erstellte man noch im selben Jahr ein Gerüst, sodass die Signalstation zugänglich blieb. Ab dem Herbst 2009 erfolgte der Abriss und Neubau der Mizen Bridge, die im August 2011 wieder geöffnet wurde.

Im Anschluss an die Brücke bietet sich ein rechts ein Abstecher hoch zur Derrick-Plattform an. Sie ermöglicht uns den Blick aus der Vogelperspektive auf die Mizen Bridge. Direkt westlich der Plattform fällt der Blick in einen scharfen, bis zum Meer hinunterreichenden Geländeeinschnitt. Vom nördlichen Aussichtspunkt reicht die Sicht über die Dunlough-Bucht zum Three Castle Head.

Mizen Head Signal Station

Nach den Eindrücken aus der Höhe lohnt sich ein zweiter Abstecher zu einer Plattform unterhalb der Mizen Bridge. Dann aber folgen wir dem Weg zu den Wirtschaftsgebäuden der Signalstation. Das Quartier der Leuchtturmwärter sowie auch die alten Maschinenräume sind zugänglich. Im so genannten Sturmraum werden Besucher gewarnt, dass man das Wetter trotz aller technischen Errungenschaften auch heute nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

So endete 1979 das damals traditionsreiche Fastnet Race als bislang größte Katastrophe im Segelsport. Weil die Teilnehmer zu spät über einen plötzlichen Wetterumschwung informiert wurden. Anstelle der erwarteten Windstärke von maximal 8 sahen sie sich plötzlich einem Orkan mit Windstärke 12 gegenüber. Die Bilanz: Dutzende Boote kenterten, fünf Yachten sanken und 15 Segler ließen ihr Leben. Das Unglück hat zu einer Neubewertung von Risiken und Verhaltensweisen auf Booten geführt.

Ankunft am südwestlichsten Punkt Irlands

Über den Außenbereich erreichen wir schließlich den südwestlichsten Punkt Irlands. Sowie wir auf dem windgeschützten Bereich des Gebäudes treten, fegt uns eine kühle Brise um die Ohren. Es ist kaum zu glauben, dass wir zuvor nur ein T-Shirt gebraucht hatten. Nun heißt es, den Reißverschluss unserer Jacken hochzuziehen, bevor wir zwischen zwei Böen die Stufen hinunter zur unteren Signallampe nehmen.

Zugleich lohnt es sich, die Augen offenzuhalten, da sich oft Meeressäuger nahe dem Mizen Head aufhalten. So auch bei unserem Besuch. Wale oder Delfine lassen sich zwar nicht blicken. Dafür aber entdecken wir mehrere Seelöwen, die immer wieder ihre Köpfe aus dem Atlantik strecken. Mit diesem schönen Eindruck kehren wir schließlich zurück zum Besucherzentrum, wo zum Abschluss des Ausflugs eine weitere Tasse Kaffee auf uns wartet.

Planung & Anreise


Dein Ausgangspunkt für diese Wanderung ist der Parkplatz beim Visitor Centre Mizen Head.

Anfahrt mit Pkw: Ab Bantry zunächst der N71 in südlicher Richtung folgen, dann auf die R591 abfahren und der Straße bis Goleen, dann der Beschilderung zum Mizen Head folgen.

GPS-Koordinaten 51.4501,-9.81976

⇒ Anreise mit Google Maps planen


Ja, ab Bantry kannst Du mit der Buslinie 270 zunächst in Richtung Skibbereen fahren. Ab dort fährt die Buslinie 265 bis zur Haltstelle Mizen Head. Der Umstieg ist noch vor Skibbereen bei der Haltestelle Ballydehob Bridge möglich.  


Wenn Du absolut nicht schwindelfrei bist, könnte die Mizen Bridge eine echte Herausforderung für Dich sein. Ansonsten geht es auf dem kurzen, bestens angelegten Weg munter hoch und runter. Der Rückweg erfolgt auf dem Hinweg.


Einkehrmöglichkeiten findest Du im Café beim Besucherzentrum am Mizen Head. Außerdem gibt es eine große Anzahl an Picknickplätzen.


Ja, aufgrund der hohen Unterhaltungskosten wird vor Ort ein Eintritt verlangt.
Für Erwachsene liegt dieser bei 7,50 Euro (Stand 2026), für Studenten und Kinder gibt es ermäßigte Preise. 


Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit. Ab April bis Juni sowie im September und Oktober ist der Zugang ab 10:30 Uhr offen. In den Sommermonaten öffnet das Visitor Centre um 10 Uhr, in den Wintermonaten November bis März erst um 11 Uhr. Der Zugang zum Mizen Head und der Brücke ist nur zu den Öffnungszeiten möglich.


Weitere Details erhältst Du direkt beim
Mizen Head Visitor Centre
Mizen Road
Cloghane, Goleen
Co. Cork
📞 +353 28 35115
🌐 mizenhead.ie 

Anforderungen & GPS-Daten

⏱️ Gehzeit: 1 h
📏 Distanz: 2,6 km
🏔️ Höhenmeter: 130
⚖️ Schwierigkeit: leicht
🧭 Typ: Streckenwanderung

Karte mit Höhenprofil


Höhenprofil

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