Ballycarbery Castle bei Cahersiveen

Bei der Märchenburg aus »Verlobung auf Umwegen«

Etwas abseits von der Hauptroute des Ring of Kerry erreichen wir das Ballycarbery Castle. Die Burg befindet sich zweieinhalb Kilometer von Cahersiveen entfernt auf der Nordseite der Valencia Bay. Die Anfahrt erfolgt ab Caherciveen über eine Brücke nach Marina View. In der locker bebauten Siedlung muss man bei der nächsten richtigen Kreuzung links abbiegen und dann der Beschilderung zur nahen Burg folgen.

Leider steht Ballycarbery Castle auf einem umzäunten Privatgrundstück. Besucher scheinen hier nicht besonders erwünscht zu sein. Vielleicht gibt es den an einigen Stellen niedergetretenen Zaun aber auch nur, um bei Unfällen in der Ruine die Verantwortung von sich weisen zu können. So finden wir kleinen Parkplatz unterhalb der Burg (gps N 51.9494, W 10.2595) von dem ein Trampelpfad zur Festung führt.

Das Ballycarbery Castle nahe dem Ring of Kerry
Die herrliche Aussicht aus dem Ballycarbery Castle

Ballycarbery Castle - Ein Märchenschloss

Schon von Weitem ist zu erkennen, warum sich die Besucher ohnehin nicht durch Zäune oder Ähnlichem abschrecken lassen. Die alten Burgmauern sind über und über mit Efeu bewachsen, sodass die Ruine wie ein verfallenes Märchenschloss wirkt. Und märchenhaft ist auch eine alte Geschichte, die im Film »Verlobung auf Umwegen« über das Schloss erzählt wird.

In dem Film wird die Sage einer jungen Frau geschildert, welche einen so alten Mann heiraten sollte, dass er gut und gerne ihr Vater - oder Großvater - hätte sein können. Um ihrem Schicksal zu entkommen, versetzte sie die Getränke bei der Feier mit einem starken Schlafmittel und floh in der Nacht mit dem jungen Mann, der ihr Herz wirklich verdient hatte.

Sind das die Ruinen aus »Verlobung auf Umwegen«?
Ruinen des Ballycarbery Castle
Ruinen der Festung Ballycarberry Castle

Der wirkliche Drehort für die Filmromanze?

Glauben wir der Filmlegende, so soll das junge Paar überall auf der Insel Menschen gefunden haben, die ihnen von ihrem Schicksal bewegt Unterschlupf gewährten. Weil sie an jedem Ort nur eine Nacht blieben, gelang es ihnen, die Verfolger abzuschütteln. Schließlich gelangten sie nach Ballycarbery Castle, von wo sich ihnen ein traumhafter Blick über die Landschaft bis zum Meer eröffnete. Es war der Ort, an dem sie nach wochenlanger Flucht und Enthaltsamkeit ihre Liebe vollzogen. Wer den Film kennt, wird sich vor Ort allerdings verwundert die Augen reiben.

Den Bahnhof, von dem aus das Filmpaar zur Burg hinaufläuft, gibt es nicht. Es sind weit und breit nicht einmal Zuggleise zu sehen. Als Nächstes schrumpft der gewaltige Hang, an dessen oberen Ende die im Film zu sehende Burg steht, in Natur zu einer winzigen Kuppe zusammen. Zuletzt müssen wir einsehen, dass dieser Ort kaum als Drehort für die Filmromanze gedient haben kann. Stattdessen entstanden die Aufnahmen bei der Ruine Rock of Dunamase. Diese wurden für den Film allerdings so stark bearbeitet und ergänzt, dass man auch diese Burg kaum wieder erkennt.

Kein Bahnhof weit und breit!
Mit Efeu überwuchert, die Ruine des Ballycarberry Castle

Ballycarbery Castle - Einst eine herrschaftliche Residenz

Doch auch trotz der Erkenntnis, dass die im Film zu sehende Burg ein meisterhaft zusammengebautes Bild ganz unterschiedlicher Orte ist, lohnt sich der Besuch. Die Anfänge der Festung gehen auf das Jahr 1398 zurück, als auf dem Gelände eine erste herrschaftliche Residenz entstand. Die heutigen Ruinen stammen jedoch aus einer späteren Epoche, wobei es sich wahrscheinlich um jene handelt, die 1569 als »das Schloss von Valencyen genannt Ballycarborow« dokumentiert ist. 1594 wurde die Festung als McCarthy More-Burg erwähnt, während Quellen aus anderen Jahrhunderten darauf deuten, dass die Burg von den O'Connells besetzt war.

Tatsächlich erhielt während der elisabethanischen Zeit ein Morgan O'Connell die Funktion eines hohen Sheriffs von Kerry. Unruhige Zeiten erlebte die Burg im 17. Jahrhundert. Im Krieg der drei Königreiche griffen Parlamentsgruppen die Burg 1652 mit Kanonenfeuer an. Ein im 18. Jahrhundert am Nordende der Westwand gebautes Haus wurde im frühen 20. Jahrhundert wieder abgerissen. Weil die Burgruine danach weitgehend sich selbst überlassen blieb, haben nur wenige Teile wie eine große Kammer und mehrere Treppen die Zeit überdauert. Es ist aber möglich, nach oben zu gehen und den Blick über die herrliche Landschaft schweifen zu lassen.

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