Portumna | Castle, Kloster und Hafen

Portumna leitet sich von Port Omna ab und bedeutet so viel wie »Landeplatz des Baumes«. Bekannt ist der Ort durch Portumna Castle. Zusammen mit seinen geometrischen Gärten zählt es zu den märchenhaften Burgen und Schlössern, für die wir Irland lieben.

Portumna Castle, ein halbbefestigtes Herrenhaus

Gründer und Bauherr von Portumna Castle war Richard Burke, der 4. Earl of Clanricarde. Der Nachfahre einer Familie normannisch-französischer Abstammung ließ das Anwesen zwischen 1610 und 1617 für damals 10.000 Pfund bauen. Das halbbefestigte Herrenhaus markiert den Übergang des Baustils von Mittelalter zur Renaissance. Mit all seiner Pracht und Vornehmheit galt das Castle damals als in Irland unübertroffen. Dabei beschränkten sich die äußeren Renaissance-Merkmale auf wenige Elemente wie den Türrahmen des vorderen Eingangs und das Toskanische Tor im Innenhof.

Nach einer verheerenden Feuersbrunst gab die Familie das Schloss 1826 als Wohnsitz auf und zog in ein in der Nähe neu errichtetes Schloss um. Damit blieb Portumna Castle über 100 Jahre sich selbst überlassen und dem Verfall preisgegeben. Erst 1960 besann man sich eines Besseren und leitete das Amt für öffentliche Arbeiten die bis dato andauernde Renovierung ein.

Wiederinstandsetzung und Öffnung für Besucher

Sichtbarstes Zeichen der immer noch laufenden Wiederinstandsetzung sind die großen Schornsteine. Heute ist das Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes für Besucher geöffnet. Eine Ausstellung gibt Einblick in die Geschichte des Schlosses und die Familie Burk. Entlang der zentralen Längstragwand reihen sich etliche Kamine und Nischen. Zusammen mit den alten Gemälden und der mit Holz getäfelten Decke vermittels sie uns einen heimeligen Eindruck des Schlosses und der damaligen Epoche.

Spaziergang durch die Gärten und zum Tea House

Mehr noch als das Schloss lohnt sich der Spaziergang durch den geometrischen Garten des Anwesens. Mit ihrer Lage zwischen den Festungsmauern und den drei Zugangstoren zählen sie zu den ältesten öffentlichen Gartenanlagen. Zugleich sind sie die einzigen, die nahezu vollständig erhalten blieben. 1999 wurde der alte Kräutergarten im Stil des 17. Jahrhundert mit Gemüsebeeten, Beeren und Obst neu angelegt. Besucher finden im alten Wirtschaftsgebäude eine Kunstgalerie und den Tea Room CaToCa Fine Food.

Hund Fury wird unfreiwillig zum Helden

Beim Rundgang lernen wir die traurige Geschichte des Hundes Fury kennen. Der Überlieferung zufolge schlief der Whippet - ein leichter Windhund - im Gras unter einem der Fenster des Schlosses, als eine junge Dame zu ihm heruntersah. Dabei verlor sie das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Durch die unglückliche Wahl des Schlafplatzes rettete Fury ihr das Leben, indem er ihren Sturz stoppte.

Der Lebensretter bezahlte dies mit seinem eigenen Leben, da ihm die junge Dame beim Aufprall den Rücken brach. Aus Dankbarkeit platzierte die Familie zunächst eine Gedenktafel auf Furys Grab. 1998 wurde das Skelett des Hundes bei Ausgrabungen freigelegt. Mehrere Nägel in den Ecken des Grabes belegen, dass die Familie den Windhund in einem Sarg bestattet hatte.

Kloster der Zisterzienser und Dominikaner

Die Ursprünge des Klosters von Portumna geht auf die Zisterziensermönche von Dunbrody zurück. Hier, oberhalb des Lough Derk, unterhielten sie eine den Heiligen Peter und Paul gewidmete Kapelle. Nachdem sie diese nicht mehr nutzten, übergaben sie diese dem Dominikanerorden, der die Kapelle zu einem Kloster erweiterte.

Der Wechsel von den Zisterziensern zu den Dominikanern kam nicht von ungefähr. Tatsächlich hatten die Dominikaner den Ablasshandel als einträgliches Geschäft entdeckt. Mit diesen Urkunden versprachen sie all denjenigen, die maßgeblich zum Unterhalt der Kirche beigetragen hatten, den Erlass etwaiger Sünden. Ende 1413 wurde die Kirche schließlich an die Dominikaner übertragen. Unter ihnen entwickelte sich die Gemeinschaft von Portumna zur ersten in Irland, welche nach der damals strengsten Klosterregel lebte und wirtschaftete.

Ursprünglich bestand das Kloster aus einer Kirche mit Kreuzgang, in dem die Brüder arbeiteten und beteten. Daneben gar es einige Wohngebäude, in denen die Mönche schliefen und aßen. Die Kirche selbst besteht aus einem Kirchenschiff und einem Chor mit einem Querschiff im Norden. Das Kirchenschiff bildete dabei den Hauptteil des Gotteshauses, in welchem die Gemeinde saß. Von dort ging der Blick in den Altarraum mit dem Altar.

Niedergang und Auflösung des Klosters

Die Fenster entlang der Nord- und Südseitenwände werden auf das 13. Jahrhundert datiert. Daher wird angenommen, dass diese bereits Teil des früheren Gebäudes des Zisterzienserordens waren. Die übrigen Gebäudeteile des Klosters stammen aus dem 15. Jahrhundert, womit sich ein architektonische geschlossene Anlage ergab. Einer ersten Auflösung im Jahr 1582 folgte die Neugründung im Jahr 1640. Allerdings mussten die Mönche schon 51 Jahre später infolge der Schlacht von Aughrim fliehen. Am 1. Mai 1698 wurden die Dominikaner formell vertrieben. Zwischen 1762 bis 1810 diente die Kirche für protestantische Gottesdienste.

Danach verfiel die Kirche. Von den einst 35 Meter langen Gebäude haben Teile des Kirchenschiffs, des Chores und des dazwischen stehenden Turms die Zeit überdauert. Auf der Nordseite finden wir den Kreuzgang und die Sakristei. Heute zählt das Kloster zu den Nationaldenkmälern Irlands und zugleich zu den beliebten Fotomotiven nahe dem Shannon. Dazu zählt auch eine Sammlung spätmittelalterlicher Grabplatten. Zusammen mit den Gedenktafeln und dem alten Piscinal vermitteln sie uns einen Blick in eine längst vergangene Epoche. 

Lough Derk

Auf dem Weg vom Schloss zum nahen See Lough Derg passieren wir einige Maulbeerbäume. Sie sollten einst die Grundlage dafür bilden, ins Seidengeschäft einzusteigen. Doch der Plan, Seidenspinner in der Maulbeerplantage anzusiedeln, scheiterte. Denn leider hatte man Bäume der falschen Maulbeergattung angepflanzt, womit die erhofften Seidenraupen fernblieben. Die inzwischen alten Bäume von Portumna Castle bilden heute eine Oase natürlicher Ruhe.

Yachthafen Portumna Castle Harbour

Schließlich erreichen wir Portumna Castle Harbour. Er ist der nördlichste Hafen am Lough Derk und ein beliebter Liegeplatz für Yachten sowie auch für Hausboote, die auf dem Shannon unterweg sind. Von hier wären es etwa zehn Minuten zu Fuß von der Stadt Portumna. Es ist aber auch schön, einfach am Ufer zu verweilen und den Blick über den See und die benachbarten Schlfgürtel schweifen zu lassen.

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