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Kilmainham Gaol

die Kathedrale des viktorianischen Strafvollzugs

Schwarze Gitter und ein Schlangenrelief über der Türe – bereits der Eingang des Kilmainham Gaol wirkt böse und bedrohlich. So betreten auch wir die Kathedrale des viktorianischen Strafvollzugs mit einem dumpfen Gefühl.

Es ist das Gefängnis Irlands, indem so ziemlich jeder Nationalheld der Insel einige Zeit gesessen hat.

Innenhof des Kilmainham Gaol von Dublin
Innenhof des Kilmainham Gaol von Dublin

Das Staatsgefängnis Kilmainham Gaol wurde 1795 eröffnet und danach ständig erweitert. Um die Gefangenen besser unter Kontrolle zu halten, setzte die Gefängnisleitung auf kleine Zellen. Diese waren in einem ovalen Bau so angelegt, dass auf Korridore verzichtet werden konnten.

Die Zellen waren damit immer im wachsamen Blick der Wärter. Und wurden die dicken Türen verschlossen, setzte sich die Kontrolle durch das »never sleeping eye«, dem erstmals eingesetzten Guckloch, fort.

Zellentüre im Kilmainham Gaol
viktorianische gusseiserne Bodenstreben im Kilmainham Gaol
in einer der Zellen des Kilmainham Gaol

Nur allzu bald mussten sich die Verantwortlichen jedoch eingestehen, dass die düsten Zellen aufs Gemüt schlagen. Finsternis und Ausschluss der Sonnenstrahlen wurden in alten Gefängnissen immer mit Strafe verbunden. Doch genau dies wirkt sich auch negativ auf die Psyche der Menschen aus.

John Lentaigne kam zu der Erkenntnis, dass der Mangel an Sonnenlicht die kriminellen Impulse der Inhaftierten eher noch förderte. Um dem zu begegnen, ließ er das Gefängnis mit »Swiss Windows« ausstatten, großen Fenstern, die an den Enden des Gänge eingebaut wurden und durch die natürliches Licht in die Gewölbe fluten konnte.

»Swiss Windows« im Kilmainham Gaol von Dublin
im Kilmainham Gaol von Dublin

Das Kilmainham Gaol zählt zugleich zu den wichtigsten Schauplätzen des irischen Unabhängigkeitskampfes. So waren bis auf O'Connel und den IRA Führer Michael Collins alle Anführer des Unabhängigkeitskampfes und des Osteraufstandes von 1916 hier inhaftiert. Viele fanden in den Gemäuern ihren Tod. Einer der berühmtesten Anführer des Osteraufstandes war Joseph Plunkett.

Am 4. Mai 1916 heiratete er morgens um 1.30 Uhr Grace Gifford in der Gefängniskapelle. Das eheliche Glück währte nur kurz. Keine zwei Stunden später wurde Plunkett im Exekutionshof erschossen. Dieser dient heute als Gedenkstätte. Zwei schlichte Holzkreuze markieren die Hinrichtungsstellen auf dem Kiesboden.

Hochzeitskapelle von Joseph Plunkett im Kilmainham Gaol
Exekutionshof im Kilmainham Gaol

Das Gefängnis wurde im Jahr 1924, nach der Unabhängigkeit Irlands, geschlossen. Daraufhin war das Gebäude dem Zerfall preisgegeben, bis man sich in den 1960er Jahren seiner historischen Bedeutung besann.

In Eigeninitiative eröffneten Republikanische Veteranen das Gefängnis als Museum. Eamon de Valera, selbst zweimal im Kilmainham Gaol inhaftiert und als letzter Gefangener aus dem Gefängnis entlassen, gab als damaliger irischer Präsident seinen Segen zu dem Projekt.

viktorianische, gusseiserne Wendeltreppe im Kilmainham Gaol
Treppe im Kilmainham Gaol von Dublin
Zelle des Joseph Plunkett im Kilmainham Gaol von Dublin

So haben wir heute die seltene Gelegenheit, ein solch gut erhaltenes, historisches Gefängnis zu besichtigen. Die bedrückenden, kleinen Zellen sind mit Namensschildern der bekannteren Gefangenen versehen und die viktorianischen gusseisernen Wendeltreppen erinnern an alte Gefängnisfilme.

Das ist kein Zufall, denn auch die Filmindustrie hat das Objekt als authentische Kulisse entdeckt. Leider nutzen während unserer Tour auch zwei Italienerinnen die schönsten Ecken in dem Gefängnis, um ihre frivolen Posen auf Fotos zu verewigen. Schön, dass die meisten Besucher etwas mehr Sinn für Gedenkstätten zeigen.

Gefängnishalle im Kilmainham Gaol von Dublin
Gefängnishalle im Kilmainham Gaol von Dublin
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