Tully Castle und der Loughshore Walk

Eine Wanderung im Marble Arch Caves Global Geopark

Die gesamte Stadt Enniskillen ist vom Marble Arch Caves Global Geopark umschlossen. Unser Ziel ist das Tully Castle. Es ist eine idyllisch in der Hügellandschaft gelegene Burgruine mit Blick auf den Lower Lough Erne. Der Loughshore Walk, ein bezaubernder Spaziergang, führt von der Schlossruine in das weite Mischwaldgebiet. Schon nach wenigen hundert Metern erscheint der Lough Erne tiefblau vor uns.

Auf dem romantischen Uferweg umrunden wir die Halbinsel von Tully Castle. Bald blicken wir über den See auf kleine Inseln und das umliegende Ufer. Etliche Wasservögel finden hier einen geschützten Raum zum Leben und Brüten. Diese ruhige Landschaft ist zurecht von der UNESCO als außergewöhnliches geologisches Erbe anerkannt und zum Global Geopark ernannt worden.

Eine Burg zum Schutze der schottischen Familien

Der Spazierweg führt zuerst zu den Resten von Tully Castle. Ein Schotte namens Sir John Hume erbaute die kleine Burg zwischen 1611 und 1613. Wie Enniskillen Castle zählt auch die von Tully zu den Plantagenburgen in Fermanagh. Sie diente dem Schutz eines nahen Dorfes, welches von 24 schottischen Familien bewohnt war.

Die Siedler fürchteten die Angriffe der einheimischen Iren, die ihnen in Fermanagh zahlenmäßig weit überlegen waren. Im 100 Quadratmeter großen Innenhof, umgeben von einer hohen Mauer, konnten die Familien im Falle eines Angriffes Zuflucht suchen. Ähnliches kennen wir von den Kirchenburgen in Siebenbürgen.

Tragische Weihnachten beim Tully Castle

Die Familien fürchteten sich zurecht. Am Heiligabend 1641 war es soweit. Über 800 Rebellen, angeführt durch Rory Maguire, stürmten Tully. Die Garnison des Tully Castle kämpfte nach Leibeskräften. Allein es half nichts. Lady Hume war gezwungen, sich zu ergeben. Den Verteidigern gelang es noch, mit den Rebellen eine Vereinbarung zu treffen. Demnach sollten alle verschont bleiben, sobald sie die Burg und alle ihre Waffen aufgegeben hatten.

Allerdings durfte lediglich die Familie Hume abreisen. Während diese in das nahe gelegene Monea Castle flüchtete, wurden die restlichen 15 Männer und etwa 60 Frauen und Kinder im Kellergewölbe eingesperrt. Leider erwies sich die getroffene Vereinbarung als Finte. Denn schon am Weihnachtstag kehrten die Rebellen zurück und massakrierten alle. Das Schloss wurde nieder gebrannt und danach nie wieder besetzt.

Auf dem Loughshore Walk zum Lower Lough Erne

Südlich der Burg führt ein Fußweg über eine grüne Wiese hinunter an den See. Der Weg führt an einem idyllisch gelegenen, weißen Farmhaus vorbei. Es beherbergt eine Ausstellung über die Geschichte der Menschen, die einst innerhalb und außerhalb der Burgmauern lebten. Leider sind die Türen bei unserem Besuch verschlossenen. So folgen wir dem Loughshore Walk gleich weiter zum Uferweg.

Die Landzunge des Tully Point bildet den friedlichen Kontrast zur Burg. Unser Spaziergang führt entlang der Küste durch eines der schönen Waldgebiete des Marble Arch Caves Global Geopark. Einsam ragt ein Bootsanleger in den See. Der Lower Lough Erne zählt offenbar noch zu den Geheimtipps unter den Freizeitkapitänen der Shannon-Hausboote.

Es muss wunderschön sein, hier mit dem Boot anzulegen und die Stille am See zu genießen. Die Sonnenstrahlen lassen die sanften Wellen glitzern und verführen zum Träumen. Ich stelle mir vor, wie in der Morgen- oder Abenddämmerung Fischotter am Ufer tollen.

Eine Landschaft der letzten Eiszeiten

Während der letzten 2,5 Millionen Jahre wurde die Landschaft hier durch wiederholte Vergletscherungen der letzten Eiszeiten geformt. Vor etwa 18.000 Jahren begann das letzte Eis zu schmelzen. Sowie sich die Gletscherzunge zurückzog, entstand der riesige Lower Lough Erne. Heute bildet er das zweitgrößte Süßwasserbecken Großbritanniens. Umfangreiche Entwässerungspläne aus den 1880er Jahren ließen den Wasserstand sinken und veränderten die Uferlinie. Zum Vorschein kamen weitere kleine Inseln, die Drumlins. Dies sind vom Eis geformte Hügel, wie die Insel Heron, die oft nur einen Steinwurf vom Uferpfad entfernt liegen. In den umliegenden Wäldern leben zahlreiche Vogelarten. Aber auch das rote Eichhörnchen und der Fischotter finden darin einen geeigneten Lebensraum.

Eine Geschichte aus der irischen Mythologie

Die irische Mythologie bildet den Gegenpol zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Eiszeiten. Eine Geschichte erzählt von einer mythischen Frau namens Erne. Sie diente der Königin Maev, irisch auch Méabh, als Hofdame. Eines Tages floh sie mit ihren Töchtern aus dem County Roscommon in den Norden. Dort fanden die Frauen jedoch kein Glück. Sie wurden von Riesen angegriffen und ertranken in einem Fluss. Ihre Körper lösten sich auf und bildeten den Lough Erne.

Mit gut zwei Kilometern ist der Loughshore Walk wirklich nur ein Spaziergang. Dennoch eröffnet uns die Runde malerische Eindrücke von der Burgruine, der grünen Landschaft und dem Lough Erne. Es ist eine wunderschöne Gegend, für die wir leider nur wenig Zeit haben. Wer auf die Suche geht, findet im Marble Arch Caves Global Geopark Schluchten, Wasserfälle und Burgen.

Wie der Name verrät, gibt es im Geopark auch eine Höhle. Wenn es der Wasserstand erlaubt, kann sie mit dem Boot erkundet werden. Wir jedoch sind bereits wieder auf dem Rückweg zum Flughafen von Dublin. Wer weiß, wann wir das nächste mal in Fermanagh landen?

Anfahrt und Anforderungen zur Wanderung

Von Enniskillen aus folgen wir der Lough Shore Rd (A46), in Richtung Lough Erne Resort. Den Golfplatz lassen wir jedoch links liegen. Nach 17 Kilometer oder 11 Meilen, ist der Abzweig zum Tully Castle angeschrieben. Eine schmale Straße bringt uns nach 500 Metern zum Parkplatz des Tully Castle.

AusgangspunktParkplatz Tully Castle
KoordinatenN 54.45866, W -7.80628
Gehzeit1 Stunde
Distanzca. 2,1 km (Rundwanderung)
Anstiegeca. 15 HM
GradT1 (Es ist eigentlich nur ein Spaziergang entlang der Küste)
Einkehrkeine
gps-DatenWanderung Loughshore Walk gpx
kml-DatenWanderung Loughshore Walk kml

Karte zur Wanderung auf dem Loughshore Walk

Höhenprofil

Steigungsprofil

Wald- und Naturparks in Nordirland