Klostersiedlung Glendalough und eine Wanderung auf den Spinc

Bezaubernde Landschaft im »Tal der zwei Seen«

Eine alte Klostersiedlung und eine bezaubernde Landschaft mit zwei Seen haben Glendalough zu einem der beliebtesten Ausflugsziele im County Wicklow gemacht. Das »Tal der zwei Seen« wird von den Wicklow Mountains malerisch umrahmt und bietet dem Betrachter eine Kulisse, die sich am besten mit Begriffen wie idyllisch, romantisch oder einfach nur filmreif beschreiben lässt.

Vor allem der Picknickplatz vorm Upper Lake sollte den Liebhabern irischer Filme bekannt vorkommen. Die landschaftlich perfekte Mischung aus sanft geschwungenen, grünen Hügeln, einem schmalen Sandstrand am See direkt vor einem und einem weit dahinter liegenden Wasserfall diente der Romanze »P.S. ich liebe Dich« und der Liebeskomödie »Verlobung auf Umwegen« als Drehort.

Blick zur Klostersiedlung von Glendalough
Sumpfwiesen im Tal von Glendalough

Einer der beliebtesten Drehorte für Hollywood-Produktionen

Tatsächlich zählt die Landschaft bei Glendalough und in den Wicklow Mountains zu den beliebtesten Drehorten für Hollywood-Produktionen. In mehr als 100 Filmen und Serien wie Lassie und »Die Tudors« sind die Berge und herrschaftlichen Häuser wie Powerscourt und das Kilruddery House zu sehen.

Zu den bekanntesten Kinoproduktionen zählen »Der Graf von Monte Christo«, »Geliebte Jane« und »Braveheart«. Für den mit fünf Oscars ausgezeichneten Mel-Gibson-Klassiker wurde der Braveheart-Drive eingerichtet. Auf rund 80 km kann man auf diesem die wichtigsten Drehorte im Westen der Wicklow Mountains abfahren.

im Tal von Glendalough
Steg über die Sumpflandschaft
im Wald beim Upper Lake von Glendalough

Nach unserer zweiten längeren Fahrt auf der falschen Seite sind wir indes froh, dass wir das Auto beim Besucherzentrum stehen lassen können. Vom Parkplatz folgen wir dem Fußweg mit dem Besucherzentrum zu unserer Rechten über den nahen Glenealo River. Von der Brücke eröffnet sich uns ein erster Blick zu den Klosterruinen von Glendalough.

Sowie wir den den Fluss überquert haben, biegen wir rechts auf den Wicklow Way ab und passieren als Nächstes die Klosterruinen. Gleich danach halten wir uns bei einer Weggabelung rechts, sodass wir erneut den Glenealo River kreuzen. Weiter geht es durch sumpfiges Gelände an die Zufahrtsstraße zu einem weiteren, gebührenpflichtigen Parkplatz.

Upper Lake von Glendalough
Hunde, die Schafe jagen sind nicht erwünscht.

Eine schöne Aussicht auf den Lower Lake

Auf dem nächsten Abschnitt eröffnet uns der parallel zur Straße geführte Wanderweg eine Reihe schöne Aussichten über Schafweiden, den Lower Lake und das von einem Auwald geprägte Tal. Nachdem ein eiszeitlicher Gletscher die Gegend geformt hatte, befand sich hier zunächst ein durchgängiger großer See. Erst später vom Poulanass hierher geschwemmte Erd- und Geröllmassen teilten den See in einen unteren und einen oberen.

Nach 900 Metern entlang der Straße zweigt der Wanderweg links zum gebührenpflichtigen Glendalough Upper Lake Car Park ab. Neben öffentlichen Toiletten gibt es hier einen Kiosk. Bei unserer Ankunft um 10.15 Uhr ist dieser jedoch noch geschlossen, sodass wir gleich weiter durch eine mit hohen Bäumen bestandene Wiese an den Strand vom Upper Lake spazieren und eine Weile den Blick über das dunkle Wasser schweifen lassen.

Vorsicht beim Baden im See!!!
Schöner Blick auf den Upper Lake bei Glendalough

Auf der Miners' Road vorbei an Kevin's Bed View

Vom Upper Lake führt der Wanderweg ein kurzes Stück bergauf an das Ende der R767. Dort wechseln wir links auf einen breiten Forstwirtschaftsweg, der uns auf den nächsten Metern einen schönen Ausblick auf den See und den schmalen Strand bietet. Ein toller Platz zum Baden. Doch die Idylle trügt: nur wenige Meter vom Ufer entfernt fällt der Seeboden steil ab. Es ist halt immer noch ein natürliches Gewässer.

Wir befinden uns hier auf der Miners' Road, die uns erst am Bulger's Cottage, dann zum Kevin's Bed View vorbeiführt. Von dem Ausblickspunkt reicht die Sicht über den See bis zu einer Höhle, in welcher sich der Heilige Kevin zeitweise zurückgezogen haben soll. Sie befindet sich am Fuße des Berg Mullacor, direkt unterhalb von The Spink, ist durch ihre Ausrichtung nach Norden aber nur schwer zu erkennen.

auf dem Weg zum Miners' Village bei Glendalough
alte Maschine aus der Minenzeit von GLendalough

Weiter geht es auf dem nur sanft ansteigenden Straße an das westliche, obere Ende vom Upper Lake. Hier hat sich im Mündungsbereich vom Glenealo River ebenfalls ein schmaler Sandstrand ausgebildet. Im Gegensatz zum unteren Strand ist dieser von sumpfigen Gelände umgeben und damit für den Menschen unzugänglich.

In diesem Bereich verlassen wir auch den Wald, sodass wir nun freie Sicht auf die kargen Berghänge vom Camaderry Mountain südwestlich von uns und über das nach oben schmaler und steiler werdende Tal haben. Auch unser nächstes Ziel der Wanderung, das Miners' Village, rückt allmählich ins Sichtfeld.

alte Gebäude im Miners' Village
Alte Gebäude im Miners' Village für den Bergbau

Blei, Zink und Silber aus dem Miners' Village

Die Anfänge des Bergbaus gehen auf die Bronzezeit zurück, als in dem Granit- und Schiefergestein der Wicklow Mountains nach Quarz und Metallen geschürft wurde. Miners' Village entstand in den 1790er Jahren. Es diente dazu, in den benachbarten Tälern von Glendalough und Glendasan Blei, Zink und Silber zu gewinnen.

Zur Blütezeit der Minen waren hier um die 2.000 Bergleute beschäftigt, 1957 wurde das Bergwerk jedoch stillgelegt. Neben den noch immer deutlichen Spuren des Abbaus am Berghang sowie auf dem Talboden zeugen heute mehrere verfallene Gebäude und Gerätschaften von der alten Bergarbeitersiedlung.

weiter geht der Weg in Richtung The Spink
Glenealo River

Entlang dem Glenealo River in die Höhe

Jenseits der Bergarbeitersiedlung ändert sich der Charakter der Wanderung. Nachdem wir bisher auf zumeist breite und bequem zu laufenden Wegen unterwegs waren, geht es nun über einen schmalen Pfad in den oberen Bereich des Tals. Der Einstieg bei den Ruinen von Miners' Village ist etwas versteckt, mit etwas Umsicht aber doch bald gefunden.

Mit dem Glenealo River links von uns gewinnen wir auf den nächsten Metern rasch an Höhe. Mehrere Serpentinen machen den Anstieg erträglich, sodass wir gut vorankommen. Zugleich lohnt es sich, ab und zu innezuhalten und sich umzuschauen. Während der Bach vor uns über kleine Kaskaden talwärts plätschert, fällt der Blick zurück auf den Upper Lake.

auf dem Weg zum Spinc
Brücke über den Fluss auf dem Weg zum Spinc

Nach knapp 40 Minuten erreichen wir eine Brücke. Sie ist der Wendepunkt der Wanderung, bei dem wir den hier nur wenig Wasser führenden Glenealo River überqueren. Die Felsen auf der anderen Seite des Gebirgsbachs werden von einigen Wanderern für eine kurze Rast genutzt. Recht haben sie, immerhin haben wir beim Aufstieg 230 Höhenmeter bewältigt.

Anschließend folgen wir dem Pfad weiter leicht bergan über den Nordhang vom Lugduff Mountain. Etliche Binsen und Seggen geben klar zu erkennen, dass der Untergrund hier sehr feucht ist. Zusammengesetzte Eisenbahnschwellen helfen aber, sicher und trockenen Fußes voranzukommen. An sich ist es ein leichter Weg ohne große Herausforderungen.

Anne und Lars auf dem Spinc bei Glenderlough
Blick nach Glenderlough

Zum Aussichtspunkt The Spinc

Ausblick auf den Upper Lake

Und doch mahnen vor Ort Schilder zur Vorsicht. Der Pfad zum Aussichtspunkt The Spinc führt nahe an einer gefährlichen Felskante entlang und ist gut ausgerüsteten Wanderern vorbehalten, die das Gelände fachkundig einzuschätzen wissen. Uns scheinen die Sicherheitsweise leicht übertrieben, zumal es bis zur besagten Kante wenigstens 30 Meter sind. Aber irgendwie schaffen es die Leute ja überall, auf- bzw. herunterzufallen.
Um so schöner finden wir, dass sich auf dem Weg zum The Spinc allmählich die Sicht über die beiden Seen öffnet. Auch wenn der Weg nur auf 500 Meter über dem Meer ansteigt, befindet wir uns inmitten einer traumhaften schönen Berglandschaft mit unbewaldeten Bergkuppen. Auch entdecken wir zweimal Rehe, die sich auf den feuchten Weiden abseits vom Wanderweg aufhalten und uns mit wachsamen Blicken verfolgen.

Holzbohlenweg auf den Spinc
Blick auf den Upper Lake von Glenderlough

Der Abstieg, vorbei am Poulanass Wasserfall

Nachdem wir den höchsten Punkt der Runde überschritten und schon wieder 100 Meter an Höhe eingebüßt haben, kommen wir zu einem ersten, in den Karten dargestellten Aussichtspunkt. Einen guten Steinwurf zweigt der als »Blaue Route« ausgewiesene Trail rechts ab. Wir hingegen laufen weiter geradeaus und damit auf wieder flacherem Terrain bis The Spinc (auch Spink). Der direkt an der Hangkante gelegene Aussichtspunkt ist ein weiterer beliebter Platz für eine Pause.

Vom The Spinc geht es durch eine Adlerfarn-Flur bis in den Wald und weiter steil bergab bis zum Talboden. Auch hier erleichtern Eisenbahnschwellen, die wie eine Treppe zusammengefügt sind, den Abstieg. Wo der Weg der Blauen Route auf unseren trifft, durchlaufen wir eine weite Rechtskurve und treffen danach wieder auf den Wicklow Way. Hier biegen wir links ab und folgen dem Lugdoff Brock am malerisch zwischen Felsen eingeklemmten Poulanass Wasserfall vorbei zum Talgrund.

kleiner Flußlauf auf dem Weg zum Spinc
Holzbohlen auf dem Rückweg
der Poulanass Wasserfall bei Glendalough

Etwas unterhalb vom Poulaness Wasserfall verlassen wir den Wald. Dass das Gelände auf diesem Stück hier so steil abfällt, hat einen Grund: während der letzten Eiszeit befand sich im Tal von Glendalough ein weit größerer Gletscher als in dem kleinen Tal vom Lugduff Brook. Das Haupttal wurde damit von den Eismassen stärker ausgehobelt, sodass an der Bergflanke ein Hängetal entstand.

Bald erreichen wir den Waldrand und kommen damit erneut auf die große Wiese und Picknickfläche östlich vom Upper Lake. Nachdem wir schon ein paar Stunden unterwegs sind, geht es nun auf der weitläufigen Fläche deutlich lebhafter zu und ist, ein Stück weiter, auch der Kiosk geöffnet. Gerne gönnen auch wir uns eine Pause, eh wir auf den Wicklow Way zurückkehren.

Klosterruinen bei Glendalough
Friedhof bei Glenderlough

Die Mittelalterliche Klostersiedlung Glendalough

Auf dem Weg zurück zu den Klosterruinen passieren wir mehrere alte Köhlerstandorte. Insgesamt lassen sich 86 Standorte in dem Tal nachweisen, an denen früher Holzkohle für die Eisenindustrie hergestellt wurde. Daneben zeugen alte Bäume von dem historischen Gewerbe. Nachdem man die großen Stämme gefällt hatte, ließ man sie wieder ausschlagen, sodass sie heute mehrere Stämme besitzen.

Sobald wir den Lower Lake passiert haben, sind es noch 500 Meter bis »Monastic City«, der mittelalterlichen Klostersiedlung von Glendalough. Sie geht auf den Heiligen Kevin zurück, der sich im 6. Jahrhundert als Einsiedler in diese Gegend zurückzog. Hatte er tatsächlich vor, sein Leben in frommer Einsamkeit zu leben, so schlug dies fehl. Denn schon bald folgten ihm andere Einsiedler, Mönche und Schüler.

Rundturm bei Glenderlough
Kathedrale bei Glenderlough

Blütezeiten und Schicksalsschläge der Klostersiedlung

Durch den anhaltenden Zustrom entstand als Nächstes ein Kloster. Glendalough wuchs auf knapp 5.000 Einwohner an. Das genügte damals, um Bischofssitz zu werden. Während die hochrangigen Mönche, in der Regel stammten diese aus adligen Familien, die heiligen Schriften vervielfältigten, sicherten die im Rang tieferen Laienbrüder mit Landwirtschaft und Handel das Bestehen der Klostersiedlung.

Die Zeit von Lawrence O'Toole gilt als Blütezeit des Klosters. Er war der erste vom Vatikan anerkannte Heilige Irlands. Nach ihm erlitt die Klostersiedlung Glendalough jedoch schwere Schicksalsschläge: 1174 verwüstete ein Hochwasser das Tal und 1398 fielen englische Soldaten über das Kloster her. Danach verlor Glendalough weiter an Bedeutung, bis im 17. Jahrhundert die letzten Mönche den Ort verließen.

Blick über den Friedhof von Glenderlough
Klosterruinen von Glenderlough

Für den weiteren Verfall der Gebäude sorgten neben Wind und Wetter auch die Bauern der umliegenden Dörfer. Jährlich zogen sie bei einer Wallfahrt nach Glendalough, um bei dem verlassenen Kloster die Sau rauszulassen. Anstatt fromm zu beten und neue Glaubenskraft zu schöpfen, sollen sie nur allzu gierig den Whiskey in ihre Hälse gekippt und sich anschließend geprügelt haben.

Dennoch haben mehrere Gebäude die Zeit, zumindest in Teilen, überdauert. So die heute dachlose Kathedrale, die als größte Frühchristliche Kirche Irlands gilt. Ursprünglich war die Kirche den Heiligen Peter und Paul geweiht, wurde im Jahr 1214 aber zur Kathedrale. Auffallender ist der 30 Meter hohe Rundturm. Als Glockenturm rief er die Mönche damals zum Gebet, diente aber auch als Schutz vor Feinden.

Video zur Rundwanderung zu den Klosterruinen

Eindrücke von der Landschaft bei Glendalough in den Wicklow Mountains mit Wanderung um die Seen zum Miners' Village und Besuch der ehemaligen Klosterstadt.

Wanderkarte zum Tour auf den Spinc

Die Anfahrt erfolgt von der M11 bzw. E01. Ab der Ausfahrt Ashford ist Glendalough ausgeschildert. Es gibt zwei große Parkplätze. Der beim Besucherzentrum von Glendalough ist gebührenfrei, der zwischen den Seen beim Kiosk ist gebührenpflichtig.

AusgangspunktInfocenter Glendalough
KoordinatenN 53.01030, W 6.32360
Gehzeit4 - 4.30 Stunden
Distanzca. 13,2 km
Anstiegeca. 500 HM
GradT2
EinkehrKiosk unterhalb vom Upper Lake
gps-DatenWanderung Glendalough gpx
kml-DatenWanderung Glendalough kml

Wanderkarte Glendalough

Höhenprofil

Steigungsprofil

VG Wort