Anzeige

Titanic-Hafen von Cobh

Der letzte Ankerplatz des Schiffs der Träume

»She was alright when she left here.« Sie war in Ordnung, als sie diesen Ort verließ. Ja, was Belfast über die Titanic kundtut, ist natürlich auch in Cobh zu lesen. Richtig müsste es hingegen heißen: »Sie war noch heile, als sie hier ablegte.« Denn die technischen Fehler in der Konstruktion, wie das für den riesigen Dampfer viel zu kleine Ruder, waren ja schon vorhanden, als die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt startete.

Wie auch immer, so kommt man nicht drum herum, dass die Jungfernfahrt der Titanic schon mit ihrem Start in Southampton unter keinen guten Stern stand. Nachdem zehn Monate zuvor die nahezu baugleiche Olympic ihre Jungfernfahrt angetreten hatte, war sie ausgebucht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der White Star Line bei der ersten Fahrt Titanic. Doch fast die Hälfte der Unterkünfte blieb leer.

Titanic-Denkmal bei Cobh
das Titanic-Cafè bei Cobh
Annie Moore und ihre zwei Brüder

Als Ursache hierfür gilt ein zu der Zeit bereits länger andauernder Kohlestreik, was viele Überfahrwillige verunsichert hatte. Da durch den Streik im April 1912 deutlich mehr Schiffe als sonst in Southampton ankerten, werden andere keinen Anschluss hierhin gefunden haben.

Die Abfahrt in Southampton verzögerte sich außerdem um eine Stunde. Grund war der starke Sog der Titanic, unter dem die Halteseile des Dampfers »New York« rissen und dieser auf die Titanic zutrieb, sodass es beinahe zum Zusammenstoß gekommen wäre.

Nach dem Zwischenstopp im französischen Cherbourg erreichte das bis dahin größte Schiff der Welt am 11. April 1912 das damalige Queenstown. Sieben Passagiere hatten Glück. Ihr Ziel war Irland. Der weitere Verlauf der Jungfernfahrt bis zur Kollision mit dem Eisberg am 14. April um kurz vor Mitternacht und dem Sinken des Luxusliners ist hinlänglich bekannt.

Neben dem »Tor nach Amerika« bescherte das Schiffsunglück Cobh mit »Der letzte Hafen, in dem die Titanic ankerte« einen weiteren Beinamen. Neben einem relativ unscheinbaren Denkmal wird dies durch das »Titanic-Hotel« Rob Roy und dem am Hafen gelegenen Titanic Museum deutlich. Am Eingang erhält man eine Bordkarte mit Details über einen der 123 in Cobh an Bord gegangenen Passagiere.

Beim Rundgang durch das Museum können wir den Abschiedsschmerz der zurückbleibenden Verwandten am Heartbreak Pier nachempfinden, bevor die virtuelle Reise auf der Jungfernfahrt der Titanic startet. Höhepunkt ist ein Film, der uns die Kälte nacherleben lässt, als das Schiff den Eisberg rammt und es zur Katastrophe kommt. Etwas makaber vielleicht, aber durchaus originell gemacht.

Tickets für die Titanic
das Lusitania Memorial bei Cobh
keltisches Kreuz auf dem Friedhof von Cobh

Clonmel Cemetary

Im Anschluss an unseren Titanic-Besuch legen wir noch einen kurzen Stopp beim Clonmel Cemetary, dem Alten Kirchfriedhof von Cobh ein. Er wurde über 300 Jahre als Gräberfeld genutzt und ist heute am besten über den Parkplatz eines deutschen Discounters (gps: N 51.8625, W 8.2963) zu erreichen.

Der älteste Grabstein des Friedhofs ist der von Stephen Towse, der 1698 starb. Weitere bekannte Personen, die hier bestattet wurden, sind Dr. James Verling (gest. 1857), der als Napoleons persönlicher Physiker arbeitete, der Boxer Jack Doyle (1978) und der Lyriker Charles Wolfe (1812).

Massengrab für die Toten der Lusitania
ein Seemannsgrab auf dem Friedhof von Cobh

Weitaus bekannter ist der Clonmal Cemetary jedoch durch die Tragödie der RMS Lusitania. In drei Massengräbern wurden hier die Reste von 169 Opfern beigesetzt. Daneben dient die Stätte als alter Militärfriedhof. Hier liegen die Überreste einiger Angehöriger der Royal Navy.

So auch die Männer, die bei der Explosionen auf der HMS Mars (1902) und dem Royal Navy U-Boot »A5« (1905) ihr Leben ließen. Deutlich sichtbares Zeichen dieser Gräber sind Symbole aus der Seefahrt wie Anker, mit denen die Grabsteine der Marine-Offiziere verziert sind.

VG Wort
Anzeige